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Fossil von gigantischem Nager entdecktCousin des Meerschweinchens...
Es war so groß wie ein Büffel, ernährte sich von Gras und stellte seine niedlichen Verwandten gehörig in den Schatten: Phoberomys pattersoni, das größte jemals lebende Nagetier, machte vor acht Millionen Jahren den venezolanischen Urwald unsicher. So alt sind zumindest die fossilen Überreste des Riesennagers, die ein internationales Forscherteam jetzt analysiert hat. Bereits im Mai 2000 entdeckt, blieben die Knochen lange Zeit unbeachtet - bis sich die Gruppe um Marcelo Sánchez-Villagra von der Universität Tübingen ihrer annahm. Wie die Biologen im Fachmagazin "Science" schreiben, gehört Phoberomys pattersoni offenbar zur Unterordnung Caviomorpha, den Meerschweinchenverwandten. Und das Meerschwein, das hat Zähne... Wie auch bei seinen nur ein Kilogramm schweren Verwandten in den Kinderzimmern waren bei der Riesen-Meersau die Hinterbeine deutlich kräftiger aufgebaut als die Vorderbeine. Anhand des Durchmessers der versteinerten Oberschenkelknochen gelang es den Wissenschaftlern, das Gewicht des Tieres abzuschätzen. Überraschende Gewichtsunterschiede Dass es in der Familie der Nagetiere enorme Größenunterschiede gibt, war den
Forschern schon vorher bekannt. Das tatsächliche Ausmaß überrascht dennoch.
Während Mäuse rund 30 Gramm wiegen, bringt es der größte lebende Nager, das
südamerikanische Wasserschwein (Capybaras), auf stolze 50 Kilogramm - so viel
wie ein Schaf, aber noch immer nur ein Zehntel des Gewichts seines urzeitlichen
Vorfahrens. Doch warum schleichen heutzutage keine büffelgroßen Ratten mehr
durch die Wälder? Mittlerweile eine trockene Region, war der Fundort der
Fossilien vor acht Millionen Jahren von dichten tropischen Wäldern überzogen,
von Sümpfen voller Krokodile. Vielleicht waren es diese natürlichen Feinde, die
den überdimensionierten Nagern zusetzten. Denn während sich kleinen Nagetieren
eine einfache Fluchtmöglichkeit bietet - sie graben sich einfach ein -, bleibt
ihren großen Verwandten nur die Flucht. Hier allerdings sind Huftiere deutlich
im Vorteil - vielleicht das entscheidende evolutionäre Problem der Nager.
Quelle: SPIEGEL ONLINE |